Olaf Kühn

Was passiert mit Schloss Heiligenberg?

CDU direkt: Herr Bürgermeister, warum beschäftigen Sie sich aktuell so stark mit Schloss Heiligenberg?

Kühn: Im Schloss Heiligenberg wurden über viele Jahrzehnte Lehrer aus und fortgebildet. Das Hessische Kultusministerium beabsichtigt, diese traditionelle Lehrerbildungsstätte aufzugeben.

CDU direkt: Was hätte das für Folgen?

Kühn: Das Land Hessen ist Eigentümer des Schlosses. Da es keine Pläne für eine weitere Belegung gibt, könnte es zu einem Leerstand oder im ungünstigsten Fall sogar zu einem Verkauf kommen.

CDU direkt: Welche Auswirkungen hätte das für Seeheim-Jugenheim?

Kühn: Im Schloss Heiligenberg finden jedes Jahr qualitativ hochwertige kulturelle Veranstaltungen statt. Auch nutzen viele Seeheim-Jugenheimer das Schloss für private Feiern. All das wäre dann nicht mehr möglich.

CDU direkt: Welche Möglichkeiten haben Sie als Bürgermeister, eine solche Entwicklung zu verhindern?

Kühn: Es hat sich bereits vor einigen Monaten eine Arbeitsgruppe gebildet, an der die Stiftung „Schloss Heiligenberg“, Landesbehörden, der Landrat und ich beteiligt sind. Es ist unser gemeinsames Ziel, das Schloss weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Welche negativen Auswirkungen es hat, wenn ein historisches Gebäude über einen längeren Zeitraum vernachlässigt wird, haben wir am Beispiel des Seeheimer Schlosses gesehen. Das soll sich
nicht wiederholen. Auch sind wir dagegen, dass Schloss Heiligenberg in Privatbesitz
übergeht.

CDU direkt: Wie wollen Sie das verhindern?

Kühn: Wir haben Gespräche in Wiesbaden geführt und dem Finanzminister ein Konzept für eine zukünftige
Nutzung des Schlosses vorgelegt. Aufgrund dieser Initiative war die Staatssekretärin des Hessischen Finanzministeriums kürzlich hier und hat sich unsere Vorstellungen erläutern lassen. Das lässt hoffen.

CDU direkt: Welche Vorschläge haben Sie dem Finanzministerium unterbreitet?

Kühn: Das Schloss soll weiterhin in Landesbesitz bleiben. Das Verwalten der Immobilie übernimmt die Stiftung „Schloss Heiligenberg“. Unter anderem ließen sich Räumlichkeiten für Veranstaltungen vermieten. Die Gemeinde könnte ein attraktives Trauzimmer im Schloss einrichten. Der sogenannte „Russenbau“ soll zu einem Informationszentrum über die Geschichte des Schlosses ausgebaut werden. Dadurch könnten Einnahmen für den Unterhalt des Schlosses erzielt werden.

CDU direkt: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass das Land darauf eingeht?

Kühn: Auch das ehemalige Forstamt Jugenheim gehörte früher dem Land und sollte verkauft werden. Als Beirat der Stiftung „Forstamt Jugenheim“ konnte ich meinen Teil dazu beitragen, dass das älteste weltliche Gebäude Jugenheims durch eine gemeinnützige Stiftung erworben wurde. Heute ist das ein Vorzeigeobjekt. Es wurde hervorragend renoviert und beherbergt soziale Einrichtungen für Jung und Alt. Warum sollte uns nicht Ähnliches mit Schloss Heiligenberg gelingen?

CDU direkt: Warum liegt Ihnen die Zukunft des Schlosses persönlich so am Herzen?

Kühn: Ich habe hier an vielen Fortbildungen teilgenommen und auch dort selbst durchgeführt. Zudem habe ich Geschichte studiert. Schloss Heiligenberg ist ein einmaliges kulturhistorisches Kleinod. Im 19. Jahrhundert war es Treffpunkt des europäischen Hochadels. Für den Erhalt eines solch einmaligen Denkmals in unserer Gemeinde muss man sich einfach einsetzen.

CDU direkt: Herr Kühn, wir danken Ihnen für das Gespräch.